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Namibia - Afrika für Anfängervon Micha Bustian Afrika - für viele Europäer noch immer ein weißer Fleck auf der Landkarte. Zumindest auf ihrer eigenen, im Hirn eingebauten Landkarte. Schlechte hygienische Bedingungen, miserable Straßen, niedriger Bildungsstandard, Armut, Bettelei, hohe Verbrechensquote, AIDS, Malaria und Dengue-Fieber. Wer diese (Vor-)Urteile im Hinterkopf hat und dennoch von bizarren Wüstenlandschaften, exotischen Pflanzen und wilden Tieren träumt, dem sei ein Land ans Herz gelegt, in dem es nicht einmal sprachliche Probleme geben dürfte: Namibia, das ehemalige Deutsch-Südwest-Afrika.
Gerade einmal 31 Jahre (1884 - 1915) dauerte die deutsche Kolonialherrschaft im südlichen Afrika, aber die Spuren sind überall noch zu sehen und vor allen Dingen zu hören. Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, von den schwarzen Bediensteten an einer Tankstelle akzentfrei auf Deutsch angesprochen zu werden. Aber es ist auch ein Gefühl der Sicherheit. Die Geschäfte in den größeren Städten wie Windhoek, Lüderitz und Swakopmund sind klar in deutscher Hand - leider sind die Köpfe der Inhaber manchmal auch noch gefüllt vom Geist der Kolonialherrschaft. Ein Beispiel, passend zur gerade beendeten Fußball-Weltmeisterschaft: "Ich finde es gar nicht gut, dass sie inzwischen Neger einbürgern (gemeint ist Gerald Asamoah, Anm. d. Red.), anstatt dem deutschen Nachwuchs eine Chance zu geben." Da bleiben die Schuhe doch lieber im Regal . . . Doch trotz des sich nur zäh auflösenden Schwarz-Weiß-Unterschieds - Namibia ist ein tolles Land. Nur 1,6 Millionen Einwohner verteilen sich auf eine Fläche, knapp doppelt so groß wie die Bundesrepublik. Dementsprechend weit auseinander liegen die einzelnen Ortschaften, die zudem meist recht klein sind. Das heißt: Ein Auto ist Pflicht, denn Bus- und Zugverbindungen sind nur unzureichend ausgebaut. Wer auf Nummer sicher gehen will, der nimmt gleich einen Wagen mit Vierradantrieb. Denn die Straßen sind in Ordnung, aber Wind und Sand bauen manchmal fahrerisch anspruchsvolle Hindernisse auf.
Einmal unterwegs wird der Weg zum Ziel. Immer wieder heißt es: anhalten und aussteigen. Beim Fish-River-Canyon im Süden, dem weltweit zweitgrößten nach dem Grand Canyon in den USA. Bei den bis zu 300 Meter hohen, roten Wanderdünen der Namibwüste im westlich gelegenen Sossusvlei. Im zerklüfteten, kargen Naukluft-Gebirge, das ein wenig an Afghanistan erinnert. An der gigantischen Robbenkolonie am Cape Cross. Bei den mehr als 1500 Jahre alten Felsmalereien von Twyfelfontein. Oder einfach nur, weil Strauße oder Springböcke wieder einmal den Weg kreuzen. Wildwechsel nennt sich das in Namibia. Wer allerdings an die ganz großen Viecher herankommen will, für den ist ein Abstecher in den Etosha-Nationalpark im Norden des Landes Pflicht. Hier gibt es in Okaukuejo ein abendliches Rendezvous mit Nashorn und Elefant am Wasserloch, ein freundlicher Schakal begleitet einen bis zum kleinen Bungalow, am nächsten Morgen teilt man das Frühstück mit zwei lebhaften Erdhörnchen. Die Fahrt durch den Nationalpark ist ein absoluter Höhepunkt des Urlaubs. Oryx, Kudu, Eland-Antilope, Zebra, Giraffe, Gnu, Warzenschwein, Impala, Kuh-Antilope - und das alles nicht durch einen Zaun oder in 500 Meter Entfernung, sondern fast in Reichweite. Aussteigen verboten: Lebensgefahr!
Viel Glück benötigt man allerdings, um einen der großen Jäger vor die Augen zu bekommen. Logisch: Löwe, Leopard und Gepard zeigen sich naturgemäß nicht ganz so öffentlich. Sonst würden sie ganz schnell den Hungertod sterben. Wird es in freier Wildbahn nichts mit einem Katzenfoto, bleibt immer noch die Hoffnung auf die Gästefarmen. Die haben nämlich eine kuriose Art der Haustierhaltung: Räuber, die von Menschen gehaltene Nutztiere angegriffen haben und erschossen werden sollten, finden sich oftmals dort wieder. Im Hammerstein-Restcamp, von wo aus traumhafte Rundflüge über die Namib angeboten werden, lebt ein Leopard im Gehege, auf der Okapuka-Ranch nördlich von Windhoek haben ein paar Löwen Asyl gefunden. Und in Keetmanshoop, direkt am Eingang zum Köcherbaumwald, hält sich der Rancher einen Geparden; ein Tier, das er im Alter von vier Monaten als Waise in der Kalahari-Wüste gefunden hat - dem Tode geweiht. Jetzt sind sie allesamt Touristenattraktionen. Zwar in Gefangenschaft, aber wenigstens nicht tot. Es gibt viel zu entdecken in Namibia, und die Wege sind lang. Also nehmen Sie sich Zeit. Denn nur wer ohne Stress reist, ist auch freundlich. So wie die Bevölkerung, die jedem fremden Fahrzeug ein Lächeln und ein Winken schenkt. Man stelle sich das einmal im hektischen Berlin vor . . .
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