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Deutsche Schmetterlinge im Sturzflug
Alle vier Jahre treffen sich die besten Volleyballnationalmannschaften und ermitteln in Turnierform ihren Weltmeister. So auch den der Damen. Diesmal fand das Turnier erstmals in Deutschland statt und stieß auf ein breites Publikumsinteresse. Nicht zuletzt deshalb, weil die deutschen Volleyballerinnen dabei waren.
Und sie haben sich redlich bemüht. Kampfgeist konnte man ihnen nun wirklich nicht absprechen. Aber mitgespielt haben sie nur selten. Viel zu oft spielten die gegnerischen Mannschaften mit ihnen - und zwar modernes Volleyball. Was da die Kubanerinnen, Russinnen, US-Amerikanerinnen, Italienerinnen, Bulgarinnen und Weitere geboten haben, war von den deutschen Damen objektiv nicht zu leisten. Mit Ach und Krach und nur durch die Schützenhilfe Tschechiens, das fast schon sensationell mit 3:1 gegen Japan gewann, wurde die Zwischenrunde nach einem 3:0 über die "Volleyballmacht" Mexiko erreicht. Die Erwartungen waren vor der WM recht hoch geschraubt. Die deutsche Mannschaft wurde in ihrer Gruppe zu den Favoriten gezählt. Werner von Moltke, seines Zeichens Präsident des Deutschen Volleyballverbandes (DVV), sprach sogar von der Möglichkeit, Platz drei erreichen zu können. Laut einer Internetumfrage, in der nach der positiven Überraschungsmannschaft der WM gefragt wurde, lag die deutsche Mannschaft mit 61 Prozent weit vor Italien mit 14 Prozent. Ein wenig mehr Realitätssinn wäre da angebracht gewesen. Da war es ja noch wohltuend, dass Bundestrainer Hee Wan Lee vor dem Turnier als schon hochgestecktes Ziel den Einzug der Mannschaft in das Viertelfinale formulierte. Leider wurde auch dieses Ziel weit verfehlt. Einen einzigen Satz konnten die Volleyballdamen in der Zwischenrunde in drei Spielen gewinnen, was dann auch nur zum letzten Platz in ihrer Gruppe und zum zehnten im gesamten Turnier reichte. Warum haben sich die Erwartungen nur partiell erfüllt? Nun, die Experten werden wieder mit einer Vielzahl von Erklärungsversuchen aufwarten nach dem Motto: Eigentlich sind wir besser, als es die Platzierung aussagt. Meine Antwort: Sind wir nicht! Die deutschen Damen haben das geleistet, wozu sie derzeit und wohl auch in absehbarer Zukunft im Stande sind. Hinsichtlich Kreativität, Technik, Taktik und physischen Voraussetzungen sind uns andere Nationalmannschaften voraus. Man mache sich nur einmal die Mühe, die Handlungshöhen bei Abschlag und Block der kubanischen Spielerinnen mit denen der deutschen zu vergleichen. Keine der Kubanerinnen liegt unter drei Meter. Aber das allein recht für eine Erklärung natürlich nicht aus. Bei rund 80 Millionen Einwohnern dürfte es auch in Deutschland genügend Talente geben, aus denen bei rechtzeitiger Sichtung und Gewinnung für den Volleyballsport sowie qualifizierter Ausbildung letztlich auch eine international erfolgreiche Nationalmannschaft geformt werden kann. Aber dazu bedarf es neben des Geldes auch dauerhaft funktionierender Strukturen im Nachwuchsbereich, und beides ist offensichtlich nicht in genügendem Maße vorhanden. Judith Silvester - heute Nationalspielerin - erlernte ihr Volleyball-ABC beim Marzahner SV in Berlin, einem Verein, der Anfang und Mitte der 90er Jahre massenweise Titel und Platzierungen bei deutschen Meisterschaften von der weiblichen D-Jugend bis zur A-Jugend errang. Ein Verein bei dem die Talentesichtung, -gewinnung und -delegierung einen wichtigen Stellenwert einnahm und der zumindest noch zu Anfang der 90er Jahre von seinem aus DDR-Zeiten herrührenden Status eines Trainingszentrums profitierte. Hier wurde Volleyball auf hohem spielerischem Niveau gepflegt und publikumswirksam angeboten. Aber wo einst Volleyball im Jugend- und Juniorenbereich leistungssportlich betrieben wurde, herrscht jetzt der Volkssportcharakter vor. Damenvolleyball ist in Deutschland zu einer Randsportart mit chronischem Geldmangel verkommen. Selbst Spitzenvereine der 1. Bundesliga gingen in diesem Jahr Pleite. Von italienischen Verhältnissen hinsichtlich finanzieller Ausstattung und Medieninteresse wagt man in Deutschland nicht einmal zu träumen. Der Weg zur Weltspitze wird dornenreich und lang sein. Investieren heißt das Gebot der Stunde und zwar zuallererst in die Nachwuchsförderung. Originalton Trainer Hee Wan Lee: "Wir müssen in Zukunft bessere Nachwuchsarbeit leisten, um vorhandene Lücken zu füllen. In dieser Hinsicht haben wir in den letzten Jahren ein wenig geschlafen. Dadurch fehlt uns auch ein großes Spieler-Material." Wie gesagt, ohne Geld geht das natürlich nicht. Es sind also Ideen zur besseren Vermarktung des Volleyballs gefragt. Und da darf man auch ungewöhnliche Wege beschreiten, so wie es einige unserer Nationalspielerinnen getan haben. In der Sternausgabe Nr. 37 vom 05.09.2002 sind von ihnen trikotfreie Fotos zu bewundern. Wer mehr sehen will, der schaue sich bei www.stern.de die Fotos "Mit vollem Einsatz" an.
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