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Wann hört dieser Wahnsinn endlich auf?von Micha Bustian Der Autofahrer pöbelt den Radler an - der Nachbar schneidet die überhängenden Äste vom Baum ab. Der Mann brettert in aller Hektik und gedankenlos mit Tempo 240 über die Landstraße - der Junge spielt im Schulhof mit dem Messer herum. Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon in den USA - Bombenexplosionen in Bali. Terror beginnt im Kleinen und wächst bis ins Gigantische. Es stellt sich die Frage: Kann der Mensch nicht in Frieden leben, oder will er nicht?
Die Vermutung liegt nahe. Oder kann an dieser Stelle jemand wirklich schlüssig erklären, warum vermeintlich vernunftbegabte Menschen in Kneipen aufeinander einprügeln, warum Jugendliche - wie in Littleton oder Erfurt geschehen - wahllos um sich schießend durch Schulen ziehen? Niemand kann das. JEDER Versuch einer Begründung scheitert in JEDER auch nur halbwegs sachlichen Diskussion kläglich. Das Problem: Die Aggressoren scheren sich einen Dreck um Vernunft. Der Name Homo sapiens - übersetzt: weiser Mensch - trifft auf sie nur sehr begrenzt zu. Denn das einzige, an das sie denken, wenn sie überhaupt denken, ist ihr persönlicher Vorteil. Und um ihren Willen durchzusetzen, scheuen sie sich nicht, Schein-Argumente der dümmsten Art aufzuführen. Ein einfaches Beispiel: Für eine Schlägerei reicht dem aus-schlag-gebenden Faktor meist aus, dass sein Gegenüber ihn "blöd angeguckt" hat. Eine Unterstellung. Aber auch staatliche Machthaber greifen zu dieser fadenscheinigen Art der Argumentation. Wie US-Präsident George W. Bush. Er will dem Irak den Krieg erklären, weil der Massenvernichtungsmittel produzieren könne. Zugegeben: Saddam Hussein ist kein wirklich netter Mensch, und im Irak geht wahrscheinlich nicht alles mit rechten Dingen zu. Doch der Grund für den geplanten Krieg ist ein anderer, und jeder weiß es inzwischen: Die USA wollen das Öl des Irak. Die Liste an Beispielen ist beliebig erweiterbar. Und die Ursache für dieses Verhalten liegt anscheinend in der Steinzeit begründet, als Menschen noch erbitterte Konkurrenten um Nahrung waren. Was damals überlebensnotwendig war, klappt heutzutage nur noch, wenn es den Menschen richtig schlecht geht: zusammenrücken. So wie am 11. September 2001, als nach den Anschlägen auf die USA (fast) jeder Amerikaner mit hochgekrempelten Ärmeln zur Verfügung stand, eine Welle der Hilfsbereitschaft die Vereinigten Staaten überschwemmte. Und wie im Sommer, als halb Bayern und ganz Sachsen bis Unterkante erster Stock unter Wasser standen. Da ließen sich in der Bundesrepublik unzählige Bürger vom Beruf freistellen, um Sandsäcke zu stapeln. Soziales Verhalten. Ganz plötzlich. Unerklärlich, unbegreiflich. Dies lässt nur zwei Schlussfolgerungen zu. Erstens: Den Menschen muss es so schlecht gehen, dass sie den Gemeinnutzen über den Eigennutz stellen. Zweitens: Intelligente und vernünftige Menschen müssen an die Macht. Beides wird in naher Zukunft nicht passieren. Deshalb bleibt uns nur die Frage, die sich die Deutsch-Punk-Gruppe Extrabreit schon Anfang der 80er Jahre stellte: Wann hört dieser Wahnsinn endlich auf?
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