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Offene Fragen

von Ulrike Henning

Die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA haben auch zum ersten Jahrestag dieser Ereignisse noch einmal für ein umfangreiches Medienecho gesorgt. Nichtsdestotrotz bleiben immer noch Fragen zu den Hintergründen offen - und nicht die unwichtigsten. Hier also ein unvollständiges Verzeichnis für arbeitslose Journalisten mit Schwerpunkt auf investigativen Themen.

Offene Fragen

Unklar sind nach wie vor die Identität sowohl der Ausführenden der Anschläge als auch die ihrer Hinterleute, ebenso ihre Absichten und Ziele. Zu analysieren ist nur das Geschehen seit diesem Datum, ein Bekennerschreiben liegt nicht vor. Wer macht solche Anschläge, ohne sich dazu zu bekennen? Was nützt ein solcher Anschlag dann den eigenen politischen Zielen?

Welcher Art und Dauer sind die Geschäftsverbindungen der Familien des US-Präsidenten und Bin Ladens?

In welchem Zeitraum stand der Attentäter Mohammed Atta auf der Gehaltsliste des pakistanischen Geheimdienstes ISI, dem stabilsten CIA-Partner in der Region? Welchen Hintergrund hat die Überweisung von 100000 Dollar auf sein Konto im Auftrag des ISI-Chefs?

Angestellte welcher Gehaltsklassen waren zu dem Zeitpunkt der Anschläge in den betroffenen Gebäuden (kurz nach 9 Uhr Ortszeit)? Woher kamen die Vorwarnungen, die unter anderem hohe Pentagonbeamte am 10. September von Flügen am nächsten Tag zurücktreten ließen? Warum beachtete die US-Regierung nicht die Informationen vom russischen Geheimdienst vom August 2001? Warum konnten etliche der schon am 12. September namentlich bekannten Flugzeugentführer trotz vorheriger Auffälligkeit bei diversen Geheimdiensten in die USA einreisen und sich dort frei bewegen?

Nur schwer in den Medien zu finden sind plötzlich Angaben zum Aufstieg Osama Bin Ladens, insbesondere über den Anteil der CIA daran. Dessen Cousin Salim Bin Laden gehört zu den Vermittlern zwischen den US-Republikanern und den iranischen Studenten, die 1979 in der US-Botschaft in Teheran Geiseln genommen hatten. Salim Bin Ladens Dienste trugen damals dazu bei, die Wiederwahl Carters zu verhindern und Reagan an die Macht zu bringen. Wenig später, 1980, wurde sein Vetter Osama vom Geheimdienst akquiriert. Sein Auftrag: Aufbau der Mudjaheddin in Afghanistan als Gegenkraft zu den sowjetischen Truppen. Sechs Milliarden Dollar wurden laut CNN von den USA und den Saudis in diese Söldnertruppe investiert. Die CIA war Gastgeber der ersten Djihad-Weltkonferenz in New York in den 80ern. 1988 stürzte Sheik Salim unter mysteriösen Umständen mit dem Flugzeug über Texas ab.

Wo ist das Geld Bin Ladens? In welche Werte hat er seine Millionen investiert? Londoner Immobilien und texanische Ölaktien?

Warum wurde den Insidergeschäften mit Verkaufsoptionen für Aktien unter anderem amerikanischer Fluggesellschaften kurz vor dem 11. September bisher nicht nachgegangen? Oder warum wurden die entsprechenden Untersuchungsergebnisse bisher vor der Öffentlichkeit geheim gehalten? Allein an der Börse von Chicago wurden in wenigen Tagen Gewinne von 12 bis 15 Millionen US-Dollar realisiert. Einige Spuren der Nutznießer dieses Handels drangen trotz aller gegenteiligen Bemühungen in die Öffentlichkeit, darunter waren Privatkunden der Tochtergesellschaft der Deutschen Bank in den USA, der 1999 erworbenen A. B. Brown. Aber sie passen wohl nicht in den Kreis derer, gegen die sich der Krieg gegen den Terror martialisch führen lässt. Passt dazu wiederum nicht die beharrliche Forcierung der Eskalation der Drohkulisse gegen den Irak?

Inzwischen gibt es in den USA die Bemühung, einen unabhängigen Untersuchungsausschuss über das "Vorwissen" zum 11. September in den eigenen Regierungsämtern zu installieren. Es ist zu bezweifeln, dass dieser Ausschuss noch vor den November-Nachwahlen zum Repräsentantenhaus in Gang kommt, wenn überhaupt.

Ja, alles hängt mit allem zusammen. Leider. Eine Erkenntnis, die vom Medienmainstream nicht unbedingt gefördert wird, egal welcher Bildungsgrad angesprochen werden soll.

So können Interessierte nur auf Spezialquellen zurückgreifen - unter anderem die teils weit abschweifenden Veröffentlichungen von Mathias Bröckers bei Telepolis (oder in der Buchfassung bei "Zweitausendeins", in der vierten Auflage vergriffen …). Bei einer Nachrecherche im Internet finden sich auch nicht wenige dubiose Quellen, Geheimgesellschaften werden heraufbeschworen, beschuldigt, die politische Rechte diverser Länder meldet sich zu Wort. Vorsicht bleibt geboten, aber selbst bei Abwägung dieser Einwände sind die genannten Fragen noch nicht beantwortet. Und vom 11. September bleibt kaum mehr hängen als vielleicht Bestürzung, Empörung, eine Welle von quietschbuntem, tränenreichem US-Patriotismus - und, ganz nebenbei, der Anlass zu etlichen Feldzügen Anfang des 21. Jahrhunderts.

Literaturliste:

Die theoretischen Vordenker dessen, was jetzt passiert:

Zbigniew Brzezinski: Die einzige Weltmacht. Amerikas Strategie der Vorherrschaft. Fischer Taschenbuch. Frankfurt/Main 1999, ISBN: 3596143586, 9,90 €

Samuel Huntington: Kampf der Kulturen. Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert. Goldmann 2002, ISBN: 3442151902, 13 €

Einige der QuerdenkerInnen:

Mathias Bröckers: Verschwörungen, Verschwörungstheorien und die Geheimnisse des 11.9. Zweitausendeins, Frankfurt/Main 2002, 12,75 €

Arnold Schölzel (Hg.): Das Schweigekartell. Kai Homilius Verlag 2002, ISBN: 3-89706-892-3, 18 €

Jean-Charles Brisard/Guillaume Dasquié: Die verbotene Wahrheit. Die Verstrickung der USA mit Osama bin Laden. Pendo Verlag, bei Rowohlt im Taschenbuch 2002, ISBN: 3499615010, 8,90 €

Noam Chomsky/Eduardo Galeano/Arhundhati Roy u.a.: Angriff auf die Freiheit? Die Anschläge in den USA und die "Neue Weltordnung". Trotzdem Verlag, Grafenau 2001, ISBN: 3931786250, 12 €

Noam Chomsky: The Attack. Hintergründe und Folgen. Europa Verlag 2002, ISBN: 3203760134, 9,90 €

 

 
   
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