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Schollenhockervon Inga Bühler Der Landbewohner an sich - und ländliches Gebiet ist alles, was nicht eine Mindesteinwohnerzahl von 500 000 aufweisen kann - ist Heimat verbunden, wenig mobil und ein unverbesserlicher Lokalpatriot. " My home ist my castle", "zu Hause ist’s am schönsten" und "Warum in die Ferne schweifen, sieh, das Gute liegt so nah" - das ist sein Lebensmotto. In der Realität suchen sich solche Menschen, soeben die Hochschulreife absolviert, einen Studiengang, der in der Nähe des Heimatortes angeboten wird. Waschen und wohnen bei Mama, zumindest aber die Wochenenden werden stets im alten Freundeskreis verbracht, mit dem verrosteten Golf ("ABI ’98") werden gnadenlos Kilometer geschrubbt.
Und auch das Erwerbsleben bringt dem Schollenhocker wenig Erleichterung. Über Jahre verfestigte gesellschaftliche Verpflichtungen im Schützenverein, die alten Eltern, die ebenso schollenhockenden Freunde und dann die günstigen Bodenpreise - der Schollenhocker baut sein Einfamilienhaus im Heimatort und steht heldenhaft jeden Morgen um 4 Uhr 30 auf um gemeinsam mit den anderen Regionalpatrioten den Pendlerzug zu nehmen. Doch halt! Beschränkt sich dieses Phänomen tatsächlich ausschließlich auf Landeier? Neueste Feldforschungen haben ergeben, dass sich ähnliche Verhaltensweisen auch in der Großstadt finden. Sitzt auf dem Lande der größte Feind im Nachbardorf, findet er sich in der Stadt im benachbarten Viertel, ja sogar in nächsten Postleitzahlen-Bezirk! Die Villinger sehen auf die Schwenninger herunter, die Schwenninger auf die Villinger. Noch spezieller: "Kreuzberg 36"; meidet "Kreuzberg 61" - wo der feine Unterschied liegt, wissen die Götter. Und selbstrend würde kein Kreuzberger freiwillig nach Neukölln ziehen und verliefe die Grenze auch nur ein Haus weiter. Selbst Argumente wie günstigere Mieten sind kein echter Entscheidungsgrund. Sowohl auf dem Lande wie in der großen dreckigen Stadt gilt: Sollte es dennoch einmal zum Umzug kommen, werden zweifelhafte historische Dokumente zitiert, nach denen die Grenzen "früher" ja ganz anders verlaufen sind. Bis es soweit ist, wird pärchenweise in engen Wohnungen gelitten - und der Abend in der Stammkneipe um die Ecke verbracht.
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