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Elvis ist tot! Es lebe Elvis!

von Anja Krauseneck

Seit 25 Jahren weilt Elvis Presley inzwischen nicht mehr unter den Lebenden. Was uns heute bleibt, ist ein schier unbezwingbares "Nachlass"-Gebirge aus Elvis-Editionen auf Tonträgern und literarischer Art. Hinzu kommt noch Polstermaterial in Form von Elvis-Filmen sowie Devotionalien, und fertig ist ein Gebilde, dem gut und gerne auch ein Mythos mit dazugehörenden, wuchernden Legenden inne sein kann.

Montage: Andrea Schmitz

Dies bedarf natürlich einer ausgiebigen Pflege, die gegeben ist, solange es auf der einen Seite bekennende, gut organisierte Fans und auf der anderen die am Elvis-Kult verdienenden Erben gibt. Dazwischen befinden sich unter anderem unsere aktuellen musikalischen Vorbilder wie die Beatles- oder Rolling-Stones-Veteranen, deren Vorbild wiederum der Elvis war, und diejenigen, die sich freuen, dem geremixten Elvis mal wieder im Radio zu begegnen, welche, die sich an alte Zeiten erinnern und die frische CD dem Enkel schenken.

Dabei kostete es in den 50er Jahren, als die unglaubliche Karriere von Elvis ihren Anfang nahm, wahrscheinlich gar nicht viel Überwindung, ein echter Fan zu werden, denn er verkörperte genau das, wonach die Nachkriegsgeneration lechzte: Sex und Rock'n'Roll (die Drugs kamen erst später dazu). Im Hinblick auf die biederen Fernsehshows mit süßlichen Schlagereinlagen und die strenge Einteilung der populären Musik in schwarzen Rhythm & Blues und weiße Country & Western-Musik, muss das Erscheinen von Elvis auf der Bildfläche, wie eine Art Offenbarung gewirkt haben. Ihm gelang, und darin besteht sein enormer Verdienst, eine einzigartige Verschmelzung eben jener beiden Stile. Angereichert mit Gospelelementen hieß die explosive Mixtur dann Rock'n'Roll, und der King war Elvis.

Als Kapital brachte er seine unverwechselbare, ausdrucksstarke Stimme, sein Gefühl für Musik und seinen Körper mit (erinnert sei an dieser Stelle unbedingt an den legendären Hüftschwung) und zelebrierte seine Musik auf so authentische Art und Weise, dass die rebellische Jugend ihm bedingungslos folgte, d.h. seine Platten wurden regelrecht aufgesogen. Besorgte Puritaner verdammten ihn vorsichtshalber grundsätzlich. Sein Siegeszug war trotz Boykott und Zensur nicht aufzuhalten. Zur Legendenbildung hätte das auch schon gereicht.

Doch irgendwann verliert alles Neue seinen Glanz. Während sich der Rock'n'Roll etabliert und sogar die Puritaner merkten, dass ja alles gar nicht so schlimm war wie befürchtet, machte sich der umtriebige Elvis-Manager Tom "Colonel" Parker Sorgen um seinen Schützling, und ein bisschen beschäftigten ihn auch die kommerziellen Perspektiven. Er ersann neue Marktstrategien, mit dem Ergebnis, dass der hervorragende Sänger Elvis oftmals Schnulzen interpretierend in nicht ganz anspruchvollen Filmen zu sehen war. Aber so konnte er gleichzeitig die Wünsche vieler Käuferschichten bedienen. Zehn Jahre lang, ohne auch nur ein einziges Live-Konzert zu geben.

Dann erlaubte Parker ein Comeback auf der Bühne, und wie froh muss er gewesen sein, Konzerthallen und Kassen voll zu sehen. Elvis durfte manchmal auch zu seinen musikalischen Wurzeln zurückkehren, denen er tief verbunden war. Singen könne er sowieso alles, sagte er schon, als ihn noch keiner kannte. Aber aus dem Rock-Idol Elvis war längst ein smarter "all american boy"geworden, von dem nach langjährig erfolgreicher Karriere niemand mehr etwas Neues erwarten wollte oder konnte. Irgendwann hat es ihm wohl auch selbst gereicht. Dann ist er einfach drogensüchtig und übergewichtig geworden und gestorben. Mit den Umständen und Ursachen seines Todes, die nicht den amerikanischen Klischees von Erfolg entsprachen, hat er unbeabsichtigt doch noch mal rebelliert.

Zum 30. Todestag werden wir seiner garantiert wieder gedenken, denn Elvis ist aus dem Kulturgut der westlichen Zivilisation nicht wegzudenken. Bis dahin recherchieren die Elvis-Erben fleißig im Archiv nach unveröffentlichtem, remixbarem Material. Und wir können derweil, je nach Geschmack "Hound Dog" beziehungsweise "It's Now Or Never" hören. Oder Elvis einfach doof finden.

 Vollständige Biographie lesen:
www.elvis-presley-gesellschaft.de

 Relativ kurze Biographie lesen oder einem Fan-Club beitreten:
www.elvisclubberlin.de

 Ein Interview vom 15.08.2002! mit einem "echten" Elvis:
www.elvis1.de

 Elvislastige Zitate berühmter Persönlichkeiten:
free.pages.at/presley

 

 
   
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