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Hanf - weit mehr als nur Drogenrohstoff

von Peter Schubert

Reichlich unscheinbar versteckt sich eines der wohl kleinsten Museen in Berlins Mitte, im Nikolaiviertel, Mühlendamm 5. Auf recht beengtem Raum informiert das Hanf-Museum über den Nutzen einer der ältesten Kulturpflanzen in der Menschheitsgeschichte. Der reicht in der Tat weit über deren bekanntesten Gebrauch als Rauschmittel hinaus, der letztlich aber zu ihrer fast weltweiten Ächtung und Anbauverbot führte.

Der interessierte Besucher erfährt, dass weit mehr als nur Cannabis oder Marihuana, das gleichbedeutende mexikanische Slangwort, aus diesem Gewächs erzeugt werden kann. Ein Bündel der knapp drei Meter hohen trockenen Stängel in einem Eck des Museum schmückt darum auch ein Schild mit der Aufschrift: "THC-arm, absolut rauschuntauglich, bitte nicht pflücken!" THC ist das Kürzel für Tetrahydrocannabinol, den Hauptwirkstoff.

Hanf
Hanfparade in Berlin           Foto: Dieter Prokein

Dafür wird in den verschiedenen Schaukästen und Bildtafeln ausführlich über die vielfältigen Anwendungsbereiche dieser Pflanze berichtet. So erfährt man, dass der erste bekannte Webstoff aus der ausgesprochen widerstandsfähigen und auch heute noch sehr schädlingsresistenten Hanffaser gefertigt wurde. Ausgestellte Dämmstoffe gegen Schall und Wärme erinnern irgendwie an Kunststoffprodukte, wie man sie aus dem Baumarkt kennt. Beeindruckend auch die Dokumente, die belegen, wie Hanf jahrhundertelang als Rohstoff für die Papierherstellung genutzt wurde. Von der Anbaufläche eines Hektars Hanf ließe sich soviel Papier produzieren wie von rund vier Hektar Wald!

Rund 20 derzeit gebräuchliche und bekannte Medikamente stehen exemplarisch in einer Vitrine aus, die zeigt, wie Cannabisprodukte statt dieser in der Medizin angewendet werden könnten. Und zwar als besser verträgliche, nebenwirkungsarme Alternative oder sinnvolle therapeutische Ergänzung. Ein historischer Überblick informiert auch darüber, welche einzelnen Krankheiten mit Hanfprodukten als Heilmittel in der Medizingeschichte schon behandelt wurden.

Selbstverständlich ist die Drogenproblematik im Hanf-Museum nicht ausgespart. Hier werden Vergleiche mit anderen Drogen wie Tabak, Alkohol und härteren Suchtmitteln angestellt, gleichzeitig wird auch über aktuell strafrechtliche Verbote und Konsequenzen informiert. Alles in allem eine sehr informative Schau, deren Besuch sich lohnt.

Im Hinterstübchen des Museums hat natürlich nicht rein zufällig auch der Vorstand vom "Bündnis HANFPARADE e.V." seinen Sitz.

Weiteres im Internet unter: www.hanfparade.de

 

 
   
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