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Preußenzaubervon Tamara Garnatz Es war nun die vierte Potsdamer Schlössernacht, insgesamt boten acht Eingänge Zugang zum Park Sanssoucci, wo die Feier statt fand und die Schlösser besichtigt werden konnten. Wir wählten das Charlottenhof-Tor als Zugang. Gleich dahinter begegneten wir Hostessen, die Programme austeilten. Fast jeder Besucher wollte eines dieser Info-Blätter, so auch wir. Wie sich später herausstellen sollte, war es uns ein guter Wegweiser. Denn im Innenteil befand sich eine große Übersichtskarte zum Park Sanssoucci. Ohne diese Karte wären wir oftmals aufgeschmissen gewesen, da der Park an manchen Stellen nicht gerade großzügig mit Schildern ausgestattet war.
Als erstes strebten wir das kleine klassizistische Schloss Charlottenhof und die Anlage eines kleinen romantischen Parks an, wo bereits die ersten Solokünstler ihre musikalischen Auftritte in ihren traumhaft prunkvollen Kleidern hatten. Sie spielten klassische Stücke auf einer Geige und Flöte aus dem Mittelalter. Sogar die weißen Perücken fehlten nicht. Ebenso wirkten die weiß gepuderten Gesichter der Künstler täuschend echt. Wir fühlten uns gleich um ein paar hundert Jahre zurück versetzt. Einige dieser Künstler, Frauen und Männer waren nur dazu da, herrlich majestätisch durch den Park zu schreiten. Ihre Mimik brachte zum Ausdruck, dass sie sich als etwas Besonderes fühlten. Ein Besucher meinte zu einer dieser "schwebenden" Damen: "Sie sehen aber heute wieder bezaubernd aus, gnädige Frau!" Man merkte ihr an, wie sehr sie sich freute und die Bewunderung genoss. Sie nickte dankend und ging mit hocherhobenen Kopf weiter. Wir schlenderten an den römischen Bädern vorbei und kamen zum Chinesischen Haus, welches neben seiner asiatischen Architektur mit einer Innenbemalung von Kornfeldblumen auch einige europäische Stilelemente aufweist. Schließlich gelangten wir nach einer Weile zum barocken Schloss Sanssoucci. Hier bot sich uns das pralle Leben. Dort war ein Gewimmel von Passanten um das Schloss herum, während ein Chor mitten auf den Weinbergterrassen vor dem Schloss laut hervorschallte. Es war so, als hätte er direkt vor uns gestanden, obwohl er doch noch um einige hundert Meter von uns entfernt war. Der Gesang hallte deshalb so laut von den Terrassen hinunter, da hierzu in unserer Nähe extra Lautsprecher aufgestellt waren. Auch die verkleideten Schauspieler schwebten galant die Terrassen hinunter und stellten sich zur Schau. Wir gingen die Terrassen ein Stück hoch auf den Chor zu, stellten uns vor ihn und lauschten etwa fünfzehn Minuten lang den klassischen Gesang des Chors "Camerata Vocale". Es war traumhaft schön, zum Dahinschwelgen. Ein wenig weiter die Terrassen hoch betrachteten wir von außen die gigantische Architektur des barocken Stils Sanssoucci, ein riesiges, schönes, hellgelbes Gebäude mit weißen Verzierungen an den Außenrändern der Fassaden und Fenster. Danach ging es weiter zur Historischen Mühle, wo es hausgemachten Kuchen gab, der wie zu Großmutters Zeiten köstlich schmeckte. Dies war mal etwas anderes, als die vielen Grill-Imbiss-Menüs, die uns sonst überwiegend geboten wurden. Nach der Historischen Mühle kamen wir zur Orangerie im Rokokostil, die ihren Namen mit Orangenbäumchen im Vorgarten alle Ehre machte. Paradiesische Palmen und herrliche Blumenbeete verzauberten uns und ebenso die herrliche Architektur des Gebäudes. Wir mussten uns eine Weile setzen und den Anblick und die Atmosphäre des Gartens genießen. Inzwischen wurde es ein wenig dämmerig. Die Wolken leuchteten am Horizont, während die Sonne langsam unterging. Ein Stückchen weiter gelangten wir dann zum Neuen Palais, ebenfalls im Rokokostil, wo der Abschluss des Tages mit dem Feuerwerk gefeiert wurde. Wir wollten unbedingt dieses Feuerwerk sehen und freuten uns, wie viele andere Besucher auch, schon insgeheim den ganzen Tag darauf. Um zum Schluss schnell und ohne Gedränge aus dem Gelände heraus zu kommen, wollten wir in jedem Falle in der Nähe eines Ausganges auf das Feuerwerk warten. Wir gingen zurück zum Charlottenhof-Tor. Zuerst stillten wir unseren Hunger und nahmen am Neuen Palais lange Wartezeiten von 15 bis 20 Minuten in Kauf. Anschließend weilten wir gemütlich auf einer Wiese mit einem Becher Bier in der Hand und plauderten ausgelassen über die Erlebnisse des Tages. Das Feuerwerk konnte kommen. Pünktlich um Mitternacht ging ein Knall los. Wir wurden abrupt aus unseren Gesprächen gerissen, sprangen schnell auf und schauten direkt zum Neuen Palais. Herrliche Funken schwebten über dem Gebäude, große Bewunderung kam in uns hoch, von allen Seiten her ertönte Freudengeschrei: "Hey es geht los!", "Seht doch nur, da oben!" Unsere Blicke klebten am Himmel, wir schwelgten in unserer Faszination dahin, und unsere Fantasie kannte keine Grenzen, was für Funken sprühende Gestalten wir doch am Horizont sahen. Ganze fünfzehn Minuten dauerte das Feuerwerk. Müde und erschöpft, aber doch glücklich und zufrieden machten wir uns danach direkt auf den Heimweg. Zurück in die Wirklichkeit.
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