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Berliner Kaffee-Geschichte


von Ulrike Henning

Die Stiftung Stadtmuseum zeigt in der Domäne Dahlem eine Ausstellung, die auf den ersten Blick nicht so ganz dort hinpasst - ist doch im übrigen Haus und in der Domäne eher von einheimischen Produkten wie etwa Kartoffeln und Honig die Rede. Jedoch hat sich bisher noch keine Exposition dem Kaffee-Aspekt der Berliner Stadtgeschichte angenommen. Es waren eher die deutschen Hansestädte, die als Umschlagsorte des Handelsgutes Kaffee schon auf die Idee eines entsprechenden Museums kamen. Der Schwerpunkt der im Herbst in Berlin eröffneten Schau liegt so teils bei den Orten des Genusses, teils bei den braunen Bohnen selbst. Zwar werden Cafés oder Kaffeehäuser spontan zunächst Wien, Budapest und vielleicht gerade noch Leipzig zugeordnet, jedoch hat auch die Berliner Geschichte in dieser Beziehung etliches zu bieten.

Kaffeegeschichten in der Domäne Dahlem
Die Berliner Kaffeegeschichten(n)
in der Domäne Dahlem
Fotomontage: Ulrike Henning

Eingeführt wurde der "außländische Schlürfftrank" auf Anweisung Friedrich Wilhelm I., der 1722 in Den Haag den ersten Cafetier Berlins verpflichtete und diesen ein Königliches Kaffeehaus gründen ließ. Als sich der selbst für damalige Verhältnisse günstige Kaffee in immer weiteren Bevölkerungsschichten verbreitete, sah Friedrich der Große darin eine Gefahr für die heimische Wirtschaft. Seiner Auffassung nach sollten die Bürger Biersuppe zum Frühstück zu sich nehmen. Er erließ eine enorme Importsteuer (was den Schmuggel anregte) und engagierte Kriegsveteranen als "Kaffeeriecher", sozusagen die "Informellen Mitarbeiter" der Kaffeeszene. Sie sollten Schwarzröster entlarven und die Bohnen konfiszieren.

Die verschiedenen Zeitalter des Kaffeegenusses werden durch historische Abbildungen sowie Kaffeegeschirr, -verpackungen und anderes Zubehör illustriert. Die Besucher können ihren Geruchssinn testen, die jüngeren unter ihnen auch mal eine handbetriebene Kaffeemühle ausprobieren. Spitze Schreie der Begeisterung werden durch das vom familiären Sonntags-Kaffeetisch bekannte Service (aus den 70er oder 80ern - Ost und West überraschend ähnlich) ausgelöst. Oder von der weiß-roten Eduscho-Blechdose, die, wie tausende Kilo Kaffee auch, den Eisernen Vorhang passierte und privilegierte Teile der DDR-Bevölkerung zumindest zeitweise vom berüchtigten "Kaffee-Mix" erlöste. Was fehlt, sind Ost-Kaffee-Witze wie dieser: Jacobs ist die Krönung, Rondo der Gipfel.

Bemerkenswert ist die wichtige Rolle, die der Kaffee schon bald nach seiner Einführung in Deutschland in vielen Bereichen der Arbeitswelt gespielt hat. Ein Indiz dafür sind die blechernen Kaffeekannen, aus denen viele Berufstätige in den Pausen den (dann schon kalten) Kaffee tranken. Ein eigenständiger Teil der Ausstellung besteht aus aktuellen Polaroids, die an verschiedensten Berliner Arbeitsplätzen, vor allem in Büros, entstanden.

Die Ausflugscafés haben die Berliner eigentlich den "Goffeesochsen" zu verdanken: Es waren sächsische Einwanderer in Treptow, die im Streit um die Ausschanklizenz zum Motto "Hier können Familien Kaffee kochen" übergingen. Dieses Prinzip setzte sich bald in vielen Ausflugslokalen durch und hielt sich vereinzelt sogar bis in die 50er Jahre. Unvergänglich hingegen scheint auch in Berlin das Bedürfnis, in der Öffentlichkeit Kaffee zu genießen.

Für die Kaffee-Abhängigen gibt es heute in der Hauptstadt 500 Cafés unterschiedlichster Ausrichtung. Auch wenn inzwischen großzügig angelegte Coffeeshops wie Starbucks dazu gehören, die prachtvolle Ausstattung des Café Bauer scheint noch nicht wieder erreicht. Dort waren allein drei Angestellte dafür zuständig, täglich 600 zur Auswahl stehenden Presseerzeugnisse aus aller Welt zu ordnen. Auch die geistige Anregung und die politischen Debatten z.B. der Lesekonditoreien des 19. Jahrhunderts gingen verloren. Die Gäste von heute pflegen eher privaten oder geschäftlichen, in der Regel aber diskreten Umgang miteinander. Gewandelt hat sich in den letzten Jahren noch einmal das Image des Getränks - der Kaffeeklatsch gesetzter Damen trat in den Hintergrund. Espresso, Capuccino und Co. gehören nunmehr zum Lifestyle einer jüngeren Generation.

Die Ausstellung hat noch bis zum 11. Februar 2003 täglich außer dienstags 10 bis 18 Uhr geöffnet. Für Schulklassen und mittwochs ist der Eintritt frei, sonst kostet er 1 € pro Person. Angeboten werden auch Führungen für Gruppen jeder Altersstufe zu einem Preis von 30 €. Termine dafür können unter der Telefon-Nummer 030/66630050 vereinbart werden.

Wer den Termin verpasst, kann im Buchhandel das zugehörige Buch erwerben: Peter Lummel (Hg.): Kaffee. Vom Schmuggelgut zum Lifestyle-Klassiker. Drei Jahrhunderte Berliner Kaffeekultur. be-bra Verlag Berlin-Brandenburg 2002, ISBN 3-930863-91-X

 

 
   
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