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Ein Hauch von HollywoodVon Astrid Lamm Ein Streifzug über die BerlinaleDie diesjährige Berlinale ist in vollem Gange. Seit einer Woche bilden sich kilometerlange Schlangen an den beiden zentralen Vorverkaufsstellen in den Arkaden des Potsdamer Platzes und im Europa-Center. Und nicht nur dort.
In bis zu sechs parallelen Warteschlangen vertreiben sie sich an den Ticketschaltern die Zeit. Lange nicht mehr so gründlich die Tageszeitung gelesen und endlich mal Zeit das Berlinale Programm ausführlich zu studieren. Alle zehn, zwanzig Minuten empfiehlt sich ein Blick auf die großen Anschlagtafeln neben den Kassenhäuschen: ist die anvisierte Vorstellung durchgestrichen oder gibt es weiterhin Karten? Einige kehren nach diesem Kurz-Check nicht mehr an den frei gehaltenen Platz in der Reihe zurück. Andere suchen in den Programmen nach Alternativen, die gefunden sein wollen, bis sie vorne angelangt sind. Weitere machen sich Hoffnung, dass sie ihre Erste Wahl-Tickets bekommen werden. Man kommt miteinander ins Gespräch. Viele von ihnen haben sich Filme aus dem Forum, dem Panorama oder einem anderen Berlinale-Schwerpunkt ausgesucht. Filme, die außerhalb des Festivals kaum mehr zu sehen sein werden. Der Wettbewerb -dieses Mal um zwei Tage verkürzt- setzt unterschiedliche Themen-Schwerpunkte, in denen neue Filmemacher und Schauspieler entdeckt werden. Die Interessen der Filmfreaks sind erstaunlich verschieden - das Festival-Programm ist eben breit gefächert. Selbstverständlich sind die 22 Wettbewerbspremieren am meisten umworben, gefolgt von ihren Wiederholungen. Viel wird dieses Jahr geschrieben und gesendet über die drei deutschen Wettbewerbsbeiträge und andere in Deutschland produzierte Geheimtipps. Nach erfolgreichem Kartenerwerb haben die Fans das Gefühl, etwas geleistet zu haben. Nicht wenige kaufen zehn Tickets und mehr. Tickets am Meter, die für mehrere Filme zusammen hängend verkauft werden. Wer in den Arkaden angestanden hat, kann nun entspannt über den Potsdamer Platz schlendern. Bei seiner Eröffnung noch ein stadtplanerisches Kunstgebilde, hat der Platz der alten Berlinale-Heimat rund um die Gedächtniskirche längst den Rang abgelaufen. Das ehemals tote Gelände zwischen Ost und West ist zum Leben erwacht. Der Filmtrubel vermengt sich mit Touristen und Menschen, die hier arbeiten oder einkaufen. Mitten im Gewühl steht der Radio Eins-Bus und nimmt Interview-Gäste in sich auf oder entlässt sie wieder. Kamera- und Reporter-Teams durchstreifen das Gelände. Aus der Tür des Grand Hyatt tritt Dieter Kosslick, der Festivalleiter, und begrüßt bestgelaunt jene, die ihn dort erwarten. Nicht wenige der 3000 Akkreditierten wohnen in diesem oder einem der anderen Luxushotels am Platz. Die Spielstätten mit den meisten Kinosälen, das Cinemaxx und das Cinestar, liegen gleich um die Ecke. Allein 16 ihrer Abspielsäle sind reserviert für den parallel laufenden Filmmarkt, auf dem professionelle Einkäufer neue Produktionen sichten, die im üppigen öffentlichen Festival-Programm nicht vorkommen. Last but not least - das Premieren-Kino am Potsdamer Platz: im Berlinale-Palast herrscht schon tagsüber umtriebige Hektik. Neben Aktiven und einem Heer von Journalisten findet sich hier die Crew des schwul-lesbischen Teddy-Award, einem der drei Publikumspreise, die auf der Berlinale vergeben werden. Am Abend gleiten die Filmpromis heran und schreiten über den raffiniert verlegten Roten Teppich auf dem Marlene-Dietrich-Platz ihren jeweiligen Premieren entgegen. So geschehen am Mittwoch, dem Eröffnungsabend, als die geballte Hollywood-Prominenz dem Filmmusical "Chicago" den erhofft glamourösen Rahmen gab. Der Stoff dürfte zahlreichen Berlinern aus der gleichnamigen Inszenierung im Theater des Westens bekannt sein - umso schöner, die Musical-Songs in der bereits mit drei Golden Globes ausgezeichneten Filmfassung, neu zu sehen. Nicht nur Renée Zellweger schaut zur Premiere vorbei. Sie hat hierzulande mit der Titelrolle in "Bridget Jones" ihren Durchbruch geschafft und wird sowohl in "Chicago" als auch in "Weißer Oleander" dieser Tage in den Kinos präsent sein. Ihre Schauspiel-Kollegin, Catherine Zeta-Jones, gibt sich ebenfalls zur Eröffnung die Ehre - und bringt unangekündigt ihren Ehemann mit. Also auch Michael Douglas in Berlin. Als Richard Gere einer vorfahrenden Limousine entsteigt, kreischt der ein oder andere Fan trotz winterlicher Temperaturen vor Begeisterung. Eine Lichtgestalt des Hollywood-Kinos nur ein paar Meter entfernt in Fleisch und Blut vor sich zu sehen, muss man schließlich erst einmal verkraften.
Auf der Pressekonferenz am selben Tag wirkt Gere gelassen und angenehm unprätentiös. Am Donnerstag treffen "Welcome to Sarajevo""-Regisseur Michael Winterbottom und Kevin Spacey, Darsteller des Helden aus "American Beauty"", in Berlin ein. "The Life of David Gale" der neue Streifen von Alan Parker mit Spacey ist ein politischer Film, der das Thema Todesstrafe aufgreift. Noch am Wochenende bereichern George Clooney, Nicole Kidman und Nicolas Cage die Film-Parties der Stadt. So geht es weiter mit Besuchen - unter anderem von Dustin Hoffman - bis zum Höhepunkt des Festivals: der Preisverleihung am Samstag. Ihr folgt ein nachgeschalteter Sondertag, an dem ausgewählte Filme erneut laufen - vielleicht, um eine Brücke zwischen dem abgeschlossenen Festival und dem normalen Kinoalltag zu bilden - bis zur nächsten Berlinale 2004. Dem zweitgrößten Filmfestival Europas. |
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