![]() | ||||||||||||||||||||
| ||||||||||||||||||||
Streit um Stadtschloss-Fassade beendet
Am 4. Juli hat der Bundestag dem jahrelangen Streit über den Wiederaufbau und die Gestaltung des Berliner Stadtschlosses offiziell ein Ende gesetzt. Mit großer Mehrheit stimmten die Abgeordneten für eine Barockfassade um einen modernen Gebäudekern und gegen ein zeitgenössisches Antlitz des neuen Gebäudes. Sie folgten damit der Empfehlung der internationalen Expertenkommission "Historische Mitte". Allerdings muss nun von einer weiteren Arbeitsgruppe geprüft werden, ob das rund 700 Millionen teure Projekt überhaupt realisierbar ist. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit rechnet deshalb mit dem Baubeginn nicht vor 2005.
Das neue Gebäude soll einen Veranstaltungsbereich beherbergen und ein "Humboldt-Forum", das die außereuropäischen Sammlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Dahlem, die Sammlungen zur Wissenschaftsgeschichte der Humboldt-Universität und die Bestände der Berliner Zentral- und Landesbibliothek in sich vereinigt. Ideologische Verpflichtungen und finanzielle Zwänge
So machte sich die PDS, mit Berlins Kultursenator Thomas Flierl an der Spitze, für eine zeitgenössische Lösung stark, die den Palast der Republik mit einschließen müsse. Das Gebäude der ehemaligen DDR-Volkskammer gehöre schließlich zur ostdeutschen Identität. Das sieht die CDU anders. Für sie ist der asbestverseuchte Bau nur das Überbleibsel einer überwundenen Diktatur und müsse so schnell wie möglich abgerissen werden, um Platz für das neue Stadtschloss nach historischem Vorbild zu schaffen. Die SPD-Politiker hingegen ließen sich weniger von ideologischen als von strategischen und pragmatischen Überlegungen leiten. So propagierten Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bundestagspräsident Wolfgang Thierse die prestigeträchtige Barockfassade, da diese besser mit der Museumsinsel harmoniere und eher private Investoren anlocke. "Die Barockfassade spart also Geld", so Thierses Appell vor der Abstimmung im Bundestag. Sein Parteikollege, der Regierende Bürgermeister Wowereit, hegt da so seine Zweifel. Das Parlament hätte mit der Entscheidung über die Gestaltung des Gebäudes auch die Finanzierung klären müssen, so sein Vorwurf. Wowereit hatte sich für eine zeitgenössische Gestaltung eingesetzt. Moderner Osten - traditioneller Westen
Demnach sind von 750 befragten Berlinern 48 Prozent für eine Barockfassade und ebenfalls 48 Prozent dagegen. Allerdings differieren die Meinungen im Ost- und Westteil der Stadt erheblich. So lehnen die Ostberliner mit 61 Prozent die Wiedererrichtung des Schlosses ab, während sie von 57 Prozent der Westberliner befürwortet wird. Ebenso deutlich sind die Unterschiede aus der Parteienpräferenz herauszulesen. CDU-Anhänger wünschen sich zu 66 Prozent den Wiederaufbau des Stadtschlosses, PDS-Wähler wollen dies zu 68 Prozent nicht. Die SPD-Anhänger sind – wie die Partei selbst – in dieser Frage gespalten: 49 Prozent sind für die barocke Fassade, 47 Prozent dagegen.
|
| |||||||||||||||||||
| ||||||||||||||||||||