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Die traurige Geschichte vom Spreepark

Von Andrea Temesvari

Er war der einzige ständige Vergnügungspark Berlins, und zu DDR-Zeiten vor allen Dingen durch sein 45 Meter hohes Riesenrad die Hauptattraktion. Das hatte zu diesem Zeitpunkt 36 Gondeln, in denen insgesamt 216 Personen Ausblick über den gesamtem Park und weite Teile der Stadt genießen konnten.

Die traurige Geschichte vom Spreepark
Montage: Martina Reinhardt

Viele private Schausteller hatten sich mit ihren eigenen Geschäften in den Park eingemietet, was natürlich die Attraktivität des Kulturparks erhöhte. Auf der Freilichtbühne fanden jährlich rund 200 Veranstaltungen mit Gastspielen vieler bekannter Gruppen und Einzelkünstler statt. Bis zur Maueröffnung hatte der Kulturpark von Mitte April bis Ende Oktober dauernde Saison mit jährlich etwa 1,5 Millionen Besuchern. Mit der Wiedervereinigung fiel der Park als nachgeordnete Einrichtung des Ostberliner Magistrats an den Senat von Berlin. Der schrieb Anfang der 90er Jahre den damaligen Kulturpark im Plänterwald öffentlich aus.

Während der Wende kam Norbert Witte nach Berlin und mietete sich mit zwei Fahrgeschäften in den damaligen Kulturpark ein. Es waren mehrere gutbetuchte große Schaustellerunternehmen dort ansässig, die sich Gedanken um den Kulturpark und dessen Perspektive machten. Einige von ihnen schlossen sich zusammen und entwickelten ein neues zukünftiges Parkkonzept und reichten dieses beim Senat ein. Der damals im Kulturpark angestellten Gisela Brederlow war der "Wessi Witte" willkommen, sie entwickelte ebenfalls ein Konzept und reichte dieses beim Senat ein. Witte sollte sich ums Kaufmännische kümmern. Unter sieben Bewerbern bekamen sie den Zuschlag.

Was Frau Brederlow und wohl auch die zuständige Senatsverwaltung nicht wussten: Vor dem Mauerfall hatte Herr Witte, Spross einer Hamburger Schaustellerfamilie, auf Deutschen Rummelplätzen nicht viel zu melden. Im August 1981 hatte er, nach einem Urteil des Landesgerichtes Hamburg, das größte Unglück auf einem Deutschen Volksfest in der deutschen Nachkriegsgeschichte verursacht. Sieben Tote und mehr als 20 Verletzte waren die Folge. Er wurde 1985 wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger, zum Teil schwerer Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt. In den Folgejahren bekam er in Deutschland keine Stellplätze auf Volksfesten, er musste durch Jugoslawien und Italien touren. Erst mit der Einheit sah er wieder eine Chance, in der damals noch unerfahrenen DDR.

Doch der Berliner Verwaltung waren selten Zweifel gekommen ob der Seriosität der Spreepark GmbH. Obwohl die Firma wiederholt gegen Umwelt- und baurechtliche Maßnahmen verstoßen hat. 1997 schloss das Land Berlin nach jahrelangen Verhandlungen einen Erbbaurechtsvertrag mit der Spreepark GmbH ab. Darin bürgt die öffentliche Hand mit einer Grundschuld von 20 Millionen plus Zinsen und Nebenkosten für die Bankkredite der Spreepark GmbH. 1999 erhöhte die Senatsverwaltung für Finanzen diese Haftung noch einmal eigenmächtig um 4,2 Millionen Mark. Merkwürdig nur: Das Grundstück, das mit mehr als 24 Millionen Mark beliehen wurde, hatte laut Erbbaurechtsvertrag 1997 nur einen Zeitwert zwischen acht und neun Millionen.

Die Spreepark GmbH erfüllte nicht das einst vorgegebene Konzept und erzielte somit nicht die gewünschten Gewinne. Ein zu hohes finanzielles Risiko für das Land Berlin und ein zu "geringes Eigenkapital" der Spreepark GmbH sollen eine Rolle gespielt haben. Das Land Berlin hat jahrelang weggeschaut und bleibt nun auf den Schulden sitzen. Witte setzte sich im Januar dieses Jahres still und heimlich nach Peru ab. Über dieses Husarenstück lachte die ganze Stadt: Offenbar unbemerkt und ungehindert konnte sich Spreepark-Chef Witte mit einem Großteil an Fahrgeschäften heimlich nach Südamerika verdrücken. Schon Anfang Dezember 2001 sollen 30 polnische Arbeiter mehrere Fahrgeschäfte abgebaut und auf 120 LKW verladen haben. Über Bremen ließ Witte dann das ganze Material verschiffen. Wo einst Achterbahnen, eine Rutsche und Kinderfahrgeschäfte standen, blieben leere Rasenflächen und leider auch viele Müllplätze zurück. "Doch das Riesenrad schenke ich den Berlinern", ließ Witte sarkastisch ausrichten. Dies gehörte jedoch sowieso dem Senat.

Nun sind neue Investoren gefragt. Der Schuldenberg wird auf ca. 15 Millionen Euro geschätzt. Noch gibt es keine Klarheit über das weitere Schicksal des Spreeparks Als einer der der ersten potenziellen Interessenten hat sich der Stuttgarter Schausteller Rolf Schmidt auf dem Gelände umgesehen und einen Überblick verschafft, was erneuert und ergänzt werden müsste. Auch die Politik ist an einer Weiterführung des Spreeparks interessiert - das ist der Standpunkt des Bezirksamtes Treptow-Köpenick. Witte wird ihn jedenfalls nicht mehr betreiben, so wie er neuerlich in den Medien behauptete.

 

 
   
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