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Ariadne und der rote FadenNacherzählt von Petra Ullmann nach Gustav Schwabs "Sagen des Altertums" und dem Tagebuch des Herakles Das alte Athen. In einem Hinterhalt wird der kretische Königssohn Andrageos getötet. Sein Vater Minos, Sohn des Zeus und der Europa, überzieht die attischen Gebiete mit Krieg. Verderben, Dürre und Seuchen kommen über das Land. Die Sehnsucht nach Frieden wird unermesslich. In ihrer Not befragen die Athener das Orakel von Delphi. Nach seinem Spruch sollen ihre Leiden aufhören, wenn es ihnen gelingt, König Minos zu besänftigen. Als Preis des Friedens wird mit Minos vereinbart, alle neun Jahre sieben Jünglinge und sieben Jungfrauen nach Kreta zu bringen. Dort sollen sie dem Ungeheuer Minotaurus vorgeworfen werden. Minotaurus ist der Sohn der Pasiphäe, Tochter des Sonnengottes Helios, und eines weissen Stieres. In diesen hatte sich Pasiphäe nach einem Zauber Poseidons verliebt. Dieser gottgewollten Verbindung steht Minos, Pasiphäes Ehemann, machtlos gegenüber. Es bleibt ihm nur, die auffällige Liebesfrucht, einen Menschen mit dem Kopf eines Stieres, zu verstecken. Minos schickt nach Daidalos. Der Erfinder soll in Knossos ein Labyrinth errichten, aus dem es kein Entrinnen gibt. Minotaurus -ins Verlies verbannt - tötet die Menschenopfer, die ihm zum Fraß vorgeworfen werden. Als nun der vereinbarte Tribut zum dritten Mal bevorsteht, fasst Theseus einen Entschluss. Der Sohn des Königs Ägäus von Athen will dem sinnlosen Opfern ein Ende setzen. Er wird das Ungeheuer töten. Sieben Jungfrauen und sieben Jünglinge besteigen - wie jedes Mal - das Schiff mit den schwarzen Segeln, das sie nach Kreta bringt. Diesmal geht auch Theseus mit an Bord. Für den Fall der siegreichen Heimkehr hat der Vater dem Steuermann ein weißes Segel als Zeichen mitgegeben. In Kreta angelangt, begibt sich Theseus zum Palast des Königs Minos. Er will anstelle der Opfer ins Labyrinth gehen. Minos` reizende Tochter Ariadne ist von Theseus` Mut und Schönheit betört. Sie verliebt sich heftig in ihn. Um den Geliebten zu retten, wendet sich Ariadne an den Labyrinth-Erbauer Daidalos. Auf dessen Anraten übergibt sie Theseus für sein Eheversprechen ein Garnknäuel und ein verzaubertes Schwert. Am Eingang des Labyrinths festgeknüpft und durch alle Irrgänge abgewickelt, soll der rote Faden es ihm ermöglichen, wieder ans Tageslicht zurückzufinden. Die Tür zum Verlies fällt zu. Noch kann Theseus durch den steinernen Gang Ariadnes Schluchzen von draußen hören. Aber er versteinert sein Herz und besinnt sich auf seine Mission. Aus einem Versteck nimmt er Garnknäuel und Zauberschwert und knüpft den Faden an die bronzene Verliestür. Lange durchstreift er die Irrgänge, seine Schritte hallen von den Wänden wider. Vom Ungeheuer keine Spur. Dann geht alles sehr schnell. Als Theseus wieder um eine Ecke biegt, steht plötzlich der Minotaurus vor ihm. Hochaufgerichtet wie ein Mensch, nur ist sein Oberkörper dreimal so groß und mit Fell bewachsen. Obenauf ragt das Haupt der Bestie, ein Stierkopf mit mächtigen Hörnern. Schon wendet sich Theseus zur Flucht, als das Ungeheuer ein schreckliches Brüllen ausstößt und ihn auf allen vieren verfolgt. In den schmalen, gewundenen Gängen ist der Vierbeinige aber nicht wendig genug. Nach langem Kampf kann Theseus ihn mit der Zauberwaffe erlegen. Erschöpft fällt der junge Held zu Boden. Als er wieder zu sich kommt, ist alles still. Wie soll er den Weg zum Ausgang des Labyrinths finden? Neben dem toten Ungeheuer entdeckt er Ariadnes Faden und findet wohlbehalten den Ausgang.
Theseus und seine Begleiter machen Minos` Flotte untauglich, damit er ihnen nicht folgen kann. Sie fliehen übers Meer und Ariadne ist wie versprochen mit an Bord. Auf dem Heimweg rasten sie auf der Insel Dia (heute Naxos). Gott Bacchos erscheint dem Theseus im Traum und verlangt Ariadne zur Braut. Gottesfürchtig lässt Theseus die schlafende Geliebte zurück und fährt weiter nach Athen. Voller Trauer über die Trennung vergisst er, das weiße Segel zu setzen. Auf einem hohen Berg vor Athen sitzt König Ägäus und betrachtet den Sonnen-untergang. Als sich das Schiff mit den schwarzen Segeln nähert, verfällt er in Wehklagen ob des vermeintlich toten Sohnes. Verzweifelt stürzt er sich in die Wellen. Seitdem heißt dieses Meer das "Ägäische". Theseus - auf einen fröhlichen Empfang der Athener gefasst - zieht unter Wehgeschrei und Klagen des Volkes in die Stadt ein. Er erfährt vom Tod seines Vaters und wird neuer König. Aus Wut und Zorn über die Flucht läßt Minos Daidalos und dessen Sohn Ikaros in das Labyrinth werfen. Der Ausgang wird für immer versperrt. Und so kamen Daidalos und Ikaros zu ihren Flügeln: Daidalos konstruiert für die Flucht Schwingen aus Wachs und Federn. Doch sein Sohn kommt der Sonne zu Nahe, das Wachs schmilzt und er stürzt ins Meer. Dem Vater gelingt die Flucht. Ariadne hat sich inzwischen von Bacchos trösten lassen und wird dessen Gemahlin. Zur Hochzeit schenkt ihnen die Göttin Aphrodite eine wunderschöne Krone aus Gold und Edelsteinen. Auf dem Höhepunkt der Feier wirft Bacchos diese Krone voller überströmender Freude in den Himmel. Wo wir sie noch heute sehen können:
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