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Wenn Städte schrumpfenMatthias Marsen Die Menschen verlassen die ostdeutschen Städte. Ganze Plattenbau-Viertel sind bereits entvölkert Acht Prozent der alten "Platte" stehen leer. In einigen Regionen sogar 30 Prozent. Leerstand nicht nur durch Abwanderung in den Westen
Der Abbau von Industrie und Militär führte zu hohen Arbeitslosenquoten in den neuen Ländern.
Politik reagiert zu spät Das Problem der schrumpfenden Städte wurde von der Politik lange Zeit ignoriert. Von der Wachstumsvision der "blühenden Landschaften" ließ man sich nicht so schnell abbringen. Die Schrumpfungssymptome wurden als vorübergehende "Konjunktur-Delle" beurteilt. Erst im Jahr 2000 nahmen Politiker den Bevölkerungsschwund ernst. Kommunalen Wohnungsgesellschaften drohte auf Grund des Leerstandes schon die Insolvenz. Die Folgen dauerhaften Leerstandes waren nicht mehr zu übersehen. Gravierende Folgen für die Stadtentwicklung Dort wo keine Menschen mehr wohnen, ist keine Kaufkraft vorhanden. Geschäfte und Betriebe müssen schließen oder folgen den Wegziehenden in die Randgebiete. Die mangelnde Auslastung von Schulen, Kitas oder Schwimmhallen bedeutet höhere Kosten für die verbleibenden Nutzer. Schlimmstenfalls werden öffentliche Einrichtungen einfach dicht gemacht. Neue Herausforderung: Umgang mit Schrumpfung Findet keine Steuerung der Schrumpfung statt, könnte der Leerstand im Jahr 2020 auf zwei Millionen Wohnungen angestiegen sein. Stadtplaner stehen vor bisher unbekannten Herausforderungen. Wie geht man mit schrumpfenden Städten um?
Die Bundesregierung setzte im Jahr 2000 eine Expertenkommission mit dem Titel "Wohnungswirtschaftlicher Wandel in den neuen Ländern" ein. Diese empfahl unter anderem den Abriss von 350.000 Wohnungen - auch Altbauten - in den nächsten zehn Jahren. Programm Stadtumbau-Ost Die Bundesregierung reagierte prompt auf die Vorschläge der Kommission. Im August 2001 beschloss sie das Programm "Stadtumbau Ost". Sie bündelte darin verschiedene Förderungen von Bund und Ländern und konnte so für die Jahre 2002 bis 2009 insgesamt 2,7 Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Wer Wohnungen abreißt, rückbaut und das Wohnumfeld aufwertet, erhält Zuschüsse aus einem Topf von zwei Milliarden Euro. Gefördert wird zum Beispiel auch, wer sich eine Eigentumswohnung in innerstädtischen Altbauquartieren kauft. Auf diese Weise soll der Kauf von Wohnungen in den Innenstädten attraktiver und die weitere Abwanderung in das Umland gestoppt werden. Umsetzung des Programms nicht problemlos Ein Problem der Wohnungsgesellschaften sind die Altschulden. Sie müssen von ihnen allein, ohne Hilfe des Bundes, getragen werden. 150 Euro fallen pro Quadratmeter Wohnfläche an. Unabhängig davon, ob die Wohnung leer oder vermietet ist, oder bereits abgerissen wurde. So fehlen den Wohnungsgesellschaften trotz Förderung oft die finanziellen Mittel für Abriss, Rückbau und Aufwertung. Hinzu kommt, dass die Banken die Zustimmung zum Abriss häufig verweigern, sofern die abzureißenden Gebäude Bestandteil ihrer Sicherheiten sind. Aus "blühenden Landschaften" wurde der "Stadtumbau Ost". Vom Erfolg dieses Programms wird vieles abhängen. Auch die Zukunft der alten Länder. Dort hat die Schrumpfung ebenfalls begonnen. Und eins ist sicher: Der Trend wird sich auf Grund der demografischen Entwicklung noch verstärken. zum Weiterlesen:Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen Stadtumbau Ost Schrumpfende Stadt
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