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Espresso-Oasen: Nicht die Bohne erledigt (Teil 2)


Von Ulrike Henning

New Yorker Sandwichtraum

Auch auf der Schönhauser Allee, andere Zeit, anderes Wetter. Auf beiden Seiten des Ladens trieft ein Sternenbanner im Wind. Eines davon hat sich fürsorglich dem lebensgroßen Plaste-Cop über Kopf und Gesicht gelegt, damit er es hier, fern von New York, nicht so traurig finden muss. Groß ist der Andrang bei der "New York Sandwich Company" gerade nicht. In der Frühstückszeit sieht das anders aus: Da wird die Company mitunter zum Baubüro. Der Subunternehmer Herr Mehmed soll unbedingt noch die Unterlagen der Handwerkskammer nachreichen.Dieses Angebot über 1,4 Millionen bezieht sich auf etwa 5000 Quadratmeter Wohnfläche, aber nicht im Vorderhaus – mittendrin große Schalen Milchkaffee zwischen den Klemmmappen und Klarsichtfolien. Am späten Vormittag kehrt allmählich Ruhe ein, dann geht das Leben nachmittags ab vier, fünf wieder richtig los.

Nicht die Bohne erledigt
Foto: Andrea Schmitz

Jetzt, gegen 13 Uhr, fällt der Blick aus dem efeuumrankten Ladenfenster auf die gegenüberliegende Schlecker-Filiale, Bauarbeiter bei ihrem Mittagskaffee hocken unter der Markise regensicher auf der Bank vor dem Laden. Die im Innenraum schräg in den Boden eingelassenen roten Hocker erweisen sich als gewöhnungsbedürftig. Das Schönhauser Tagespublikum eilt eher geschäftig vorbei. Im Hintergrund plätschern als Kontrastprogramm zum amerikanisch gestylten Interieur verträumte Musette-Rhythmen. Eine junge Frau in leuchtend rotem Samtmantel betritt den Laden und bestellt ihren Kaffee. Für den Geschäftsführer Rich Freudenberg, der jeden Tag selbst mit zupackt und auch selbst seine Ware ausfährt, ist die zeitweilige Flaute nicht beunruhigend: "Die Umsätze sind jeden Tag gleich." Seine Geschäftsidee hat er aus den USA mitgebracht. Dort gibt es, unter anderem in San Diego, zwei ähnlich orientierte Läden des Familienunternehmens seiner Mutter. Und seine GmbH ist, wer hätte das gedacht, eine hundertprozentige Tochter dieser Firma.

Eis aus der Bronx und andere Sünden

Alle Sandwiches, Bagels, Salate, Muffins, Brownies und Donuts werden auch frei Haus geliefert, dazu kalte Getränke, darunter US-amerikanisches und mexikanisches Bier, sowie das leckere Häagen Dazs Eis ("aus der Bronx"). Nur zum Kaffee-Trinken muss jede noch persönlich kommen. Die Standards wie Latte macchiato, Milchkaffee, Capuccino etc. gibt es hier auch in der Preislage, die sich erst einmal in Berlin durchgesetzt hat – zwischen 2,10 und 2,60 Euro. Mit Kaffee macht Rich Freudenberg 50 Prozent seiner Umsätze. "Ich verwende einen hochwertigen italienischen Kaffee", so Freudenberg mit Blick auf das Geschehen hinter dem Tresen. Im Gespräch springt er immer mal wieder auf, um seiner jungen Angestellten zu helfen. Auch bei ihm sind 80 Prozent der Mitarbeiter Studentinnen. Zu amerikanischer Kaffeekultur gehören auf Wunsch die supersüßen Sirupvarianten von Macadamia bis Haselnuss, die das Getränk dann endgültig zur Mahlzeit machen. Dazu vielleicht noch ein dunkler Brownie, so richtig schokoladig-fett? Bitte sehr. Oder auf den Sandwichs Remoulade, Creamcheese oder Mayonnaise? Kein Problem. Wie gut, dass für die reuigen Sünder gleich nebenan der Bio-Supermarkt einlädt …

Geraucht werden darf übrigens bei der Sandwich Company, im Gegensatz zu dem, was auf der anderen Seite des großen Teiches inzwischen Usus ist. In einer kurzen Anlaufphase hatte auch Rich Freudenberg versucht, das Nichtrauchen durchzusetzen. Das hätte möglicherweise den bisherigen Geschäftserfolg unmöglich gemacht.

Für "Coffeeshops" und ähnlich gelagerte Unternehmen sieht Freudenberg noch genug Raum, allerdings gebe es bereits zu viele hochpreisige Läden in Toplagen. Seine GmbH hat in Berlin schon zwei Filialen. In Zukunft möchte er sein Konzept als Franchise-System vermarkten und ist auch schon im Gespräch mit Interessenten. Letztlich werden sich seiner Ansicht nach überall kleinere Kaffeebars ansiedeln und auch überleben können.

"The New York Sandwich Company", Schönhauser Allee 65, 10437 Berlin, Montag bis Freitag 8 bis 19 Uhr, Samstag 9 bis 16 Uhr, Lieferungen Montag bis Freitag zwischen 9 und 17 Uhr, Mindestbestellwert 10 € ohne Getränke und Eis, Bestelltelefon: 275817080, Bestellfax: 08002222847.
Bestellen im Web:  www.NY-sandwich.de

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